|
Werden Häuser schon im April abgerissen?
Umgestaltung des Fuldaer Gemüsemarktes
Einmütig stimmten gestern Abend die Abgeordneten der Fuldaer Stadtverordnetenversammlung dem Vertrag über den Verkauf der städtischen Liegenschaften am Gemüsemarkt zu. Bereits im Haupt- und Finanzausschuss waren sich die Fraktionen über die zwischen Stadt und Siedlungswerk ausgehandelten Konditionen einig gewesen, entsprechend gab es darüber keine Diskussion.
um Preis von 510.200 Euro erwirbt das Siedlungswerk nun eine Grundfläche von 1.240 Quadratmetern. Darauf befinden sich drei Wohn- und Geschäftshäuser, die bereits weitgehend geräumt sind, und die jetzt der Abrissbirne harren. Oberbürgermeister Dr. Alois Rhiel sprach kürzlich von einem möglichen Abriss im April.
Während die Stadt Fulda für die Neugestaltung des Platzes zuständig ist, wird das Siedlungswerk die Gebäude neu erbauen. Ein Modell dazu wird der neue Eigentümer demnächst der Öffentlichkeit vorstellen. So hatte es Frank Nieburg, Vorstandsvorsitzender des Siedlungswerkes, vor einiger Zeit gegenüber der FZ erklärt. Allerdings werde sich der Bau im Wesentlichen auf den Preisträger des städtischen Architektenwettbewerbs stützen, dessen Ergebnis im Schaukasten am Gemüsemarkt ausgestellt ist. Das ist auch im Kaufvertrag so festgeschrieben. Nach dem Siegerentwurf wird beispielsweise die Galerie wegfallen, die künftigen Erdgeschosse werden dann vom Platz begehbar sein.
Ein Detail, das im Vorfeld bereits immer wieder zu Diskussionen bei Anliegern und Wochenmarktbeschickern geführt hatte, ist ein Solitärbau mit einer Grundfläche von etwa 80 Quadratmetern, der laut Preisträgermodell auf dem Gemüsemarkt vorgesehen ist. Während die Kritiker argumentieren, die Fläche werde "durch ein Haus mitten auf dem Platz" für den Wochenmarkt viel kleiner, erklären Siedlungswerk und Stadt, dass sich die Größe nicht verringere, da durch den Wegfall der Galerie samt darunter liegender Stellplätze wiederum mehr Raum geschaffen werde.
Im Kaufvertrag festgeschrieben wurde auch das Rückkehrrecht der ehemaligen Mieter – gewerblich und privat. Dieses Versprechen hatte OB Rhiel von Anfang an gegeben, und nun wurde es im Vertrag verankert. Ob die Inhaber der Geschäfte wie "Murmel", "Marktlücke" und "Wäscherei Wilma" in die neu erbauten Häuser zurückziehen werden, entscheidet sich in den nächsten Wochen in Verhandlungen mit dem Siedlungswerk.
Vom Tisch ist offenbar auch eine lange schwelende Diskussion mit einem direkten Nachbarn der städtischen Häuser. Stadt und Siedlungswerk haben diese Problematik im Kaufvertrag explizit in Paragrafen gefasst. Demnach ist die Stadt und nicht das Siedlungswerk Verhandlungspartner für diesen Anlieger. Das heißt: Sollte es mit diesem zu juristischen Auseinandersetzungen durch die Baumaßnahme kommen, dann ist die Stadt offensichtlich in der Pflicht, dies auszufechten.
Gelesen: Bericht - Fuldaer Zeitung, 2002
|