Wagnis, das gelungen ist
Umgestaltung des Fuldaer Gemüsemarktes

Das Ereignis geriet zu einem Volksfest: Am Samstagmorgen feierte Fulda die Eröffnung seines "neuen" Gemüsemarktes. Mit Prominenz aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens, aber auch mit den Anwohnern, vielen Bürgern und jenen, die zweimal in der Woche die Stätte mit Leben erfüllen werden – den Marktbeschickern. Lob gab es reichlich: für Stadtbaurätin Cornelia Zuschke und die Architektengemeinschaft Herbert & Swoboda.

Angelockt von den Klängen der Earl Dudley Jazz Band hatten mehrere hundert Menschen den Weg in die Unterstadt gefunden. Begrüßt wurden sie mit Wein aus Hammelburg (der Bürgermeister und die Weinkönigin aus dem Frankenland waren gekommen) und mit frischen Äpfeln, die unter den Besuchern verteilt wurden. Wer von denen keinen großen Hang verspürte, den offiziellen Reden zu folgen, der konnte entweder seine Markteinkäufe erledigen oder an einem Gewinnspiel teilnehmen, das sich um historische Fotos des Areals drehte. Auch präsentierten sich sowohl die alteingesessenen Geschäfte als auch diejenigen fünf (von geplanten acht), welche neu hinzugekommen sind. Verantwortlich zeichnete die Interessengemeinschaft Gemüsemarkt, die auch mit einem "Wettstreit im Keltern mit bloßen Füßen" lockte.

Lob für das Konzept

Oberbürgermeister Gerhard Möller sprach von einem "stolzen Tag für Fulda" und würdigte das "herausragende Resultat", das nun zu sehen sei. Möller lobte das Engagement des Siedlungswerkes Fulda, das sich mit seinem Konzept unter zehn potentiellen Investoren durchgesetzt hatte, nachdem vom Fuldaer Magistrat ein städtebaulicher Wettbewerb zu der Thematik "Neugestaltung Gemüsemarkt" ausgeschrieben und hier der Entwurf des Büros Baumeister & Scheel aus Braunschweig ausgezeichnet worden war (wir berichteten mehrfach). Anerkennung auch für Stadtbaurätin Zuschke und ihren "außergewöhnlichen Einsatz, ihre Geduld und Beharrlichkeit". Abschließend konstatierte der OB, dass "Märkte das Gesicht einer Stadt prägen" und ergänzte den Spruch "Ab in die Mitte" um "...zum neuen Gemüsemarkt".
Es sei eine "wertvolle Partnerschaft" zwischen der Stadt, dem Siedlungswerk und den verantwortlichen Architekten gewesen, machte Landrat Fritz Kramer als Aufsichtsratsvorsitzender des Siedlungswerkes deutlich. Das Gesamtprojekt hat ein Volumen von 4,7 Millionen Euro, wovon das Siedlungswerk 60 Prozent aufbrachte. 120.000 Euro kamen von der Stadt, 360.000 Euro vom Land Hessen. Kramer sprach die bereits anfangs erwähnten acht neuen Ladengeschäfte an sowie die 24 seniorengerechten Wohnungen, die Büros und die Tiefgarage mit 31 Stellplätzen. Alle Aufträge sind, so die Bauherrn, vollständig an die einheimische Bauwirtschaft vergeben worden. Der Landrat ging auch auf das Einzelgebäude, den so genannten Solitär ein: "Um diesen Bau hat es im Vorfeld leidenschaftliche Diskussionen gegeben". Er empfinde den Solitär als Bereicherung dieses Platzes, den man als Ganzes sehen müsse: "Hier wird Leben, Wohnen und Arbeiten gezeigt".
Stadtbaurätin Zuschke zeichnete den Entstehungsprozess nach, mit allen Erfahrungen, die sie dabei gemacht habe. Am 8. Juli 2002 war mit den Abbrucharbeiten und Anfang September 2002 mit den Rohbauarbeiten begonnen worden. Richtfest gefeiert wurde am 20. Mai 2003. Auch sie würdigte die Arbeit der Architektengemeinschaft Herbert & Swoboda, erinnerte an ihren Amtsvorgänger Bernd Streitberger, der durchgesetzt habe, einen städtebaulichen Wettbewerb durchzuführen und dankte besonders auch den Anwohnern, "die in der Bauzeit durchgehalten haben".

Vom Vergangenen

Die private Trägerschaft des Siedlungswerkes hob Hessens Wirtschaftsminister Dr. Alois Rhiel hervor. Der frühere Fuldaer OB nannte den Gemüsemarkt ein Projekt, das in die Zukunft weise, gleichzeitig die Spuren der Vergangenheit aber nicht verdecke. "Das Wagnis ist gelungen", so Rhiel, der betonte, dass die Um- und Neugestaltung aufgrund der notleidenden Bausubstanz erforderlich gewesen sei.
Bevor Pater Jakobus und Pfarrer Fried-Wilhelm Kohl dem Werk den kirchlichen Segen spendeten und eine Granitplatte enthüllt wurde, hatte Werner Hildebrand, Sprecher der Marktbeschicker das Wort. "Es ist eine gelungene Neugestaltung", betonte er und erinnerte an die "sehr gute und fruchtbare Zusammenarbeit" aller Beteiligten in den letzten eineinhalb Jahren. Da war der Wochenmarkt auf die Stätte Unterm Heilig Kreuz "ausgelagert worden" – bis er jetzt wieder heimgekehrt ist.

Gelesen: Bericht - Fuldaer Zeitung, 2003