Dunkle Wolken über dem "Sonnengarten"
Der Saalbau der Gemeinde Hilders

Wo sollen die Hilderser in Zukunft feiern? Diese Frage erhitzt in dem Ort derzeit die Gemüter und hat zu einem heftigen Parteienstreit geführt. Der Saalbau "Sonnengarten" in der Ortsmitte, über Jahrzehnte bevorzugter Veranstaltungsort der Hilderser, ist nämlich geschlossen. An Fastnacht fand dann die letzte Veranstaltung in dem Saal statt.

Der Besitzer des Anwesens, Richard Schimetschka, der den "Sonnengarten" 1962 bauen ließ, will verkaufen. "Aus Altersgründen", erklärt der 75-Jährige. Die CDU möchte nun gerne ein neues Bürgerhaus bauen, derweil CWE und SPD sich einen Ankauf des Saalbaus "Sonnengarten" durch die Gemeinde wünschen. Nach Ansicht von Bürgermeister Lothar Klüber (CDU) ist der 400 Personen umfassende Saal nicht mehr zeitgemäß. Zu diesem Schluss seien auch zwei unabhängige Gutachten gekommen, welche die Gemeinde in Auftrag gegeben habe. Wegen einer Empore, die sich in dem Raum befindet, könne man den Saal auch nicht mit Abteilungen versehen, so Klüber. In seiner jetzigen Größe sei die Räumlichkeit aber nicht mehr praktisch. Jedenfalls wollten die Vereine vor Ort in ihrer Mehrheit andere Räume, und dass sei am besten mit einem Neubau zu verwirklichen. Klüber sieht in einem Neubau auch finanzielle Vorteile: Würde ein Ankauf und entsprechender Umbau des "Sonnengartens" 4,1 Millionen Mark Kosten, schlüge ein Neubau auf gemeindlichem Boden lediglich mit 3,35 Millionen Mark zu Buche.
Besonderer Clou: Es gebe Fördermittel von der EU in Höhe von 1,75 Millionen Mark, allerdings nur, wenn man das Bauvorhaben als tourismusfördernde Maßnahme deklariere. Deswegen soll der Neubau auch unter der Bezeichnung "Gästehaus" firmieren. "Wir müssen unseren Besuchern etwas bieten," argumentiert der Bürgermeister. Dazu gehörten Räumlichkeiten für Veranstaltungen und Seminare. Klüber schwebt eine gleichzeitige Nutzung des Bürgerhauses durch Gäste und durch Einheimische vor.

Die CWE macht sich unterdessen Sorgen um die Zukunft des "Sonnengartens". Der CWE-Gemeindevertreter Goswin Nüdling warnt vor einem Neubau. "Wo gibt es schon einen Saal mit einer Empore?" preist er einen Vorzug des "Sonnengartens". Zudem dürfe man ein so zentral gelegenes Gebäude nicht verkommen lassen. Das neu angedachte Gästehaus sei zudem von seiner Lage her außerhalb des Ortskern an der Ulster etwas "weit vom Schuss". Außerdem liege es im Überschwemmungsgebiet. Weiterhin würde es auch für einen Umbau Fördergelder geben. Nüdling zweifelt zudem an der Unabhängigkeit der Gutachter. Schließlich sei der zweite Gutachter, der sich für einen Neubau ausgesprochen habe, der Neffe des CDU-Fraktionsvorsitzenden Rudolf Vey. Diesen wiederum bringen solche Unterstellungen auf die Palme: "Es hieß, ein Hilderser Architekt soll das zweite Gutachten erstellen. Und der einzige Architekt in Hilders ist mein Neffe", so Vey. Grundsätzlich sei die CDU der Meinung, dass sich die Gemeinde nur um gemeindliche Immobilien kümmern solle und nicht um Privateigentum. Zudem seien alle Vereine für einen Neubau gewesen. Für den Neubau spreche, dass eine räumliche Abteilung im "Sonnengarten" die Stromkosten in die Höhe treiben würde. Der CWE warf er "reine Stimmungsmache" vor, und Schimetschka unterstellte er, mit erpresserischen Methoden zu arbeiten. "Jede Wette, dass Schimetschka den Saalbau wieder aufmacht, wenn die Entscheidung für das neue Gästehaus gefallen ist", erklärt Vey.
Für die SPD stellt sich die Situation als "verfahren" da, wie Fraktionsvorsitzender Martin Scheer erklärt. Nicht ganz unschuldig an der Situation sind nach Scheers Einschätzung auch die heimischen Verein: "Bei einer Anhörung über die Neugestaltung des Bürgerhauses hat der Karnevalverein Forderungen vorgelegt, die einen Neubau geradezu unumgänglich gemacht haben, und jetzt wollen sie den Saalbau erhalten." Schließlich, so Scheer, müsse bei einem Neubau damit gerechnet werden, dass für zwei Jahre in Hilders überhaupt kein Veranstaltungsort zur Verfügung stehe. Vorteil des "Sonnengartes" sei sein zentraler Standort.
Offensichtlich ist es Schimetschka mit seinen Verkaufsplänen jedoch ernst. Zwei Jahre, so klagt der Gastronom, habe ihn die Gemeinde hingehalten. Er habe 800.000 Mark für den "Sonnengarten" verlangt. "Zuschüsse für einen Ankauf hätte es auch gegeben", erklärt er. Jetzt hat sich Schimetschka nach anderen Interessenten umgesehen. Unter anderem stehe er auch in Verhandlungen mit einer Würzburger Sekte, bestätigt er FZ-Informationen.

Gelesen: Bericht - Fuldaer Zeitung, 2001