Kongresszentrum für Fulda
Das Projekt "Kongresszentrum Berta-Wiese" ist durch:

Gestern Abend entschieden sich Fuldas Stadtverordnete mehrheitlich mit den Stimmen von CDU, CWE und Rep für das Konzept des Künzeller Investors Leo Groll. Die Fraktionen von SPD und Bündnisgrünen erklärten im Prinzip ihre Zustimmung, sie bewerten jedoch die städtischen Zuschüsse als zu hoch. Groll erhält 23,5 Millionen als Investitionskostenzuschuss und 850.000 Mark jährlich für die Betriebskosten.

Zweieinhalb Stunden debattierten die Kommunalpolitiker über das Kongresszentrum mit einem 250-Zimmer-Hotel, einer Eisbahn und einem öffentlichem Hallenbad als Ersatz für das marode Zentralbad am Schlossgarten. Leo Groll folgte der Diskussion gemeinsam mit seiner Tochter Michaela und seinem Schwiegersohn Oliver Trampnau-Groll teils lächelnd, teils angespannt.
Es wurden ein Reihe von bereits bekannten Argumentationen vorgetragen. Neu war allerdings die Ankündigung von Oberbürgermeister Dr. Alois Rhiel, dass auch der Landkreis "einen spürbaren Beitrag zum Kongresszentrum leisten" werde.

Kritik an den Zuschüssen

Zur Debatte: Gerhard Stollberg formulierte als stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender ein klares Ja. Es gehe um eine "Jahrhundertentscheidung", die dem Oberzentrum Fulda immense kulturelle und wirtschaftliche Perspektiven eröffne. Ähnlich argumentiert Ines Plappert von den Rep, wohingegen die Opposition aus SPD, CWE und Bündnisgrünen vor allem die Höhe der finanziellen Beteiligung durch die Stadt kritisierte.
Grünen-Fraktionsvorsitzender Ernst Sporer und sein SPD-Kollege Peter Jennemann rechneten vor: Die 23,5 Millionen Mark würden sich sicher auf über 30 Millionen summieren, und zwar wegen der Erschließungskosten und des Kaufpreises für die Berta-Wiese. Sporer: "Damit beläuft sich der öffentliche Zuschuss auf 30 bis 40 Prozent der gesamten Investitionssumme in Höhe von 70 Millionen Mark. Das Risiko zwischen Investor und Stadt ist nicht gerecht verteilt."
Peter Jennemann forderte für die SPD-Fraktion, den Grundsatzbeschluss zurückzustellen und das Projekt neu auszuschreiben, um Vergleichsangebote zu erhalten. Auch Karlo Laudenbach (CWE) monierte die Höhe der Zuschüsse.
Alois Rhiel machte sich massiv stark für das Grollsche Projekt. So gebe es doch nur zwei Alternativen, erklärte er: Das Zentralbad und die Richthalle als Veranstaltungsort in der mangelhaften Form beizubehalten oder ein "umfassendes Konzept mit einem Mehrwert in verschiedenen Dimensionen zu realisieren". Die Mitfinanzierung des privaten Engagements koste die Stadt letztendlich weniger. Alois Rhiel: "Hier wird niemandem einfach Geld in den Rachen geworfen. Hier soll ein Grundsatzbeschluss getroffen werden, mit dem der Investor in die Detailplanung gehen kann."

Plädoyer für Investoren

Und der OB ergänzte: "Überall, wo kommunale Träger solche Konzeptionen selbst finanziert haben, stehen sie heute in der Schlange und suchen private Investoren, die ihnen aus der Klemme helfen." Die Argumentation, das Konzept sei gut, der Zuschuss jedoch zu hoch, kommentierte Rhiel deutlich: "Wenn Sie springen sollen, dann sagen sie "Ja", aber es soll erst einer die Brücke bringen."
Schließlich votierten 37 Abgeordnete von CDU, CWE und Rep für das Konzept, 21 von SPD und Bündnisgrünen stimmten dagegen.

Gelesen: Bericht - Fuldaer Zeitung, 2000