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Kritik an Architektur und Solitärbau
Umgestaltung des Fuldaer Gemüsemarktes
Die schärfsten Geschütze fuhr der FDP-Stadtverordnete und frühere Fuldaer Bürgermeister Josef H. Mayer auf: "Das ist architektonische Ware von der Stange." Im Ton zwar moderater, in der Sache aber ebenfalls hart fiel die Kritik anderer Fuldaer Stadtverordneter an den kürzlich vom Siedlungswerk vorgestellten Plänen zur Neubebauung des Gemüsemarktes aus (die FZ berichtete). Sogar Stadtbaurätin Cornelia Zuschke sieht offenbar noch Bedarf für Nachverhandlungen: "Die Fassaden sind noch nicht ausgereift."
Vor Beginn der Stadtverordnetensitzung am Montagabend hatte die Interessengemeinschaft (IG) Gemüsemarkt Tomaten an alle Stadtverordneten verteilt, um auf diese Weise gegen den geplanten 18 Meter hohen Solitärbau (einzeln stehendes Gebäude) zu protestieren (siehe auch FZ vom 25. Juni). Die nahezu zweistündige Debatte der Stadtverordneten machte wohl auch der IG im Publikum deutlich, dass die Abgeordneten keine Tomaten vor den Augen haben.
Doch die Planung wird trotzdem wohl nicht geändert. Die Stadtbaurätin verwahrte sich gegen den Vorwurf des Grünen-Fraktionsvorsitzenden Ernst Sporer, der erklärte: "Wir haben die jetzt in der Fuldaer Zeitung veröffentlichten Pläne nie zuvor gesehen." Als Beweis dafür, dass diese Aussage falsch sei, hielt Zuschke einen FZ-Artikel vom November 2000 in die Höhe. Damals sei der beim Architektenwettbewerb siegreiche Entwurf öffentlich vorgestellt worden. Und dieser habe bereits alles enthalten, was jetzt vom Siedlungswerk geplant werde. Zuschke: "Auch den Solitärbau. Der ist jetzt sogar noch vier Meter niedriger als damals angedacht."
Doch die öffentliche Kritik in den vergangenen Tagen und der Verlauf der Stadtverordnetenversammlung veranlassten die Stadtbaurätin wohl zu folgendem Angebot an das Parlament: Die für den 11. Juli vorgesehenen Nachverhandlungen mit dem Investor sollen "nicht im stillen Kämmerlein, sondern unter Einbeziehung der Fraktionsvorsitzenden stattfinden". Gestern erklärte sie zudem, auch ein Vertreter der Interessengemeinschaft werde zu dem Gespräch eingeladen.
Ob die Fraktionen von dem Angebot Gebrauch machen werden, blieb Montagabend offen. SPD-Fraktionschef Peter Jennemann jedenfalls sprach von einer "Scheindebatte, die wir hier führen, weil die Verträge mit dem Siedlungswerk längst perfekt sind". Jennemann sagte zum Solitärbau: "Nur wenn er das Marktgeschehen befruchtet, hat er einen Sinn und eine Berechtigung." Zur Fassade der Häuser bemerkte er, diese sei beim besten Willen nicht so, wie man sich das erwartet habe. CWE-Vertreter Carlo Laudenbach bezeichnete den Solitärbau als ein "Reizwort" und wusste zu berichten, "daß noch Unterschriften dagegen kommen werden".
Eine gemeinsame Position fanden SPD-Sprecher Jennemann und CDU-Fraktionsvorsitzender Gerhard Stollberg, die eine sensible Vorgehensweise für nötig halten. Obwohl auch die CDU mit Protesten konfrontiert worden sei, stehe seine Fraktion indes zum vorliegenden Plan einschließlich Solitärbau, berichtete Stollberg.
Oberbürgermeister Dr. Alois Rhiel griff FDP-Mann Mayer scharf an, weil dieser von "Billigarchitektur" gesprochen hatte und einen Bezug zum sozialen Wohnungsbau hergestellt hatte. Rhiel sprach von einer "abschätzigen Äußerung". Die Stadt habe bewusst keine "Luxusarchitektur" gewollt. Rhiel: "Es wäre ein Skandal, wenn wir die dort lebenden Menschen vertrieben hätten." Neben architektonischen Gesichtspunkten kam auch der Streit zwischen der Stadt Fulda und der Bäckerei Gerk (die FZ berichtete) zur Sprache. Hierzu berichtete Stadtbaurätin Zuschke, es gebe nach wie vor keine Einigung. Am Sitzungstag hätten erneut anwaltliche Gespräche stattgefunden. Gestreift wurde zudem noch das Thema "Fleischmann-Bebauung". SPD-Stadtverordneter Bernhard Lindner sagte zur Ankündigung des Investors Alfred Schabel, die Fassade des alten Gebäudes stehen zu lassen: "Da werden wir noch rumstreiten müssen." Offenbar wird das wenig Sinn haben. Jedenfalls erklärte Zuschke: "Wenn der Investor will, daß sie stehen bleibt, dann bleibt sie stehen." Zwar werde sich die Stadt einbringen, doch sind die Einflussmöglichkeiten offenbar gering.
Gelesen: Bericht - Fuldaer Zeitung, 2002
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