Eine "Oase" unter Glas mit Palmengarten
Projektentwicklung des Glashauses Archimedis

Der Rainer Unternehmer Peter Sandmeir hat ein neuartiges Wohnhaus entwickelt - Finanzkräftige Interessenten.

Wintergärten hat Peter Sandmeir schon viele gebaut. Als immer wieder Kunden zu ihm kamen, die eine solche Glas-Stahl-Konstruktion um das ganze Haus herum haben wollten, reagierte der Unternehmer aus Rain eines Tages spontan mit der Bemerkung: "Da kannst du gleich ein Glashaus bauen." Dieser Gedanke, so berichtet Sandmeir, habe ihn nicht mehr losgelassen. Der gelernte Schlosser grübelte, setzte sich nachts an den Computer, entwarf ein solches Haus, tüftelte mit einem befreundeten Ingenieur aus Fulda an dem Konzept und vervollständigte dieses. Seit einigen Wochen ist der 44-jährige Ettinger mit seinem Produkt auf dem Markt. "Momentan sind wir damit konkurrenzlos", bemerkt er stolz.

"Überwältigende" Reaktion

Das ungewöhnliche Haus bezeichnet Sandmeir als "Wellness-Oase". Die ersten Reaktionen - unter anderem präsentierte der Rainer seine Idee bei zwei Messen - seien "total überwältigend" gewesen. Der Firmenchef hat nach eigenen Angaben bereits mehrere Interessenten aus dem gesamten Bundesgebiet an der Hand - und zwar Personen, die beruflich in Spitzenpositionen stünden. "Wir werden es kaum schaffen können", rechnet der Unternehmer mit einer Auftragsflut. Selbst Professoren hätten angerufen und sich beeindruckt darüber gezeigt, "dass wir von heute auf morgen den Energieverbrauch um 40 Prozent reduzieren können".
Dabei fing Sandmeir vor etwa acht Jahren ganz klein an. In Pöttmes gründete er eine Stahlbaufirma. Mit vier Beschäftigten erfolgte 1998 der Umzug in den Neubau am Nelkenweg in Rain. Mit dem Betrieb ging es rasant bergauf. Inzwischen ist die Belegschaft auf 28 Personen angewachsen.
Für den neuen Geschäftszweig mit den "Glashäusern" gründete Sandmeir im April eine eigene Firma mit dem Namen "archi-medis". In die Entwicklung der neuartigen Gebäude steckte der findige Handwerker rund 100.000 Euro, wie er unserer Zeitung schildert. Herkömmliche Wohnhäuser, die von einem Glasbauwerk umgeben sind, gebe es bereits. Die seien jedoch "im Stil eines Gewächshauses" errichtet und beinhalteten damit thermische sowie bauphysikalische Mängel: "Das funktioniert nicht und verursacht viele Probleme."

Drei Lagen

Als einen wesentlichen Unterschied zu Bauwerken dieser Art nennt Peter Sandmeir die Glasflächen. Die bestünden aus drei Lagen: an der Außenseite Sicherheitsglas, in der Mitte eine Isolierschicht und innen ein Verbund-Sicherheitsglas. Vorteil: Es beschlage nicht und bilde auch keine Kältebrücke. Mit einer Reihe von Patenten schafft es Sandmeir - wie er selbst sagt - in dem Glasbauwerk ein ideales Mikroklima zu erzeugen. Dies gelinge mit einer geregelten Be- und Entlüftungsanlage sowie einer speziellen Beschattung und Befeuchtung. Von der Fachhochschule Weihenstephan ließ der Geschäftsmann berechnen, wie viele Pflanzen welcher Sorte (hauptsächlich Palmen) und an welchem Standort nötig sind, um die Luft in dem Bauwerk auf natürliche Weise zu "filtern". Ein Wasserbecken, das als Pool genutzt werden könne, sorge für Feuchtigkeit.

Höchstens drei Grad minus

Innerhalb des Glasbereichs sinke selbst bei zweiwöchigem Frost von minus 15 Grad und bewölktem Himmel die Temperatur auf höchstens drei Grad unter Null, versichert Sandmeir: "Da überleben Palmen und Zitronenbäume." Für das Innenhaus, das in konventioneller Weise oder in Holz gebaut werden könne, sei kein eigenes Dach, sondern nur eine Decke notwendig, auf der eine Terrasse angelegt werden könne. Die Wohnräume kämen mit einer kleinen Heizung aus.
Ein Muster-Angebot von Sandmeir beinhaltet auch Sonnenkollektoren und Klangmodule. Damit ließe sich auf elektronischem Wege sogar Vogelgezwitscher in das Bauwerk "zaubern". Ein eingeschossiges "Innenhaus" mit 150 Quadratmetern Wohnfläche sowie ein rechteckiges "Außenhaus" aus Glas und Stahl mit 420 Quadratmetern Grundfläche und einer Firsthöhe von acht Metern würde 750.000 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) kosten, rechnet Peter Sandmeir vor. Dafür bekäme der Käufer neben den Pflanzen und einem 30-Quadratmeter-Pool auch noch eine "gehobene Wellnessanlage" mit zwei Massage-Liegen und einer Sauna.
Die bisherigen (finanzkräftigen) Interessenten hätten freilich noch ganz andere, individuelle Vorstellungen. So könne für das Haus durchaus ein Betrag von mehreren Millionen Euro zusammenkommen. Wenn die ersten Aufträge unter Dach und Fach seien, will Sandmeir direkt neben seiner Stahlbau-Firma ein Musterhaus hochziehen, in dem potentielle Käufer auch "Probewohnen" könnten. Auf alle Fälle werde er in nächster Zeit weitere Leute einstellen und den Betrieb vergrößern, kündigt der Geschäftsführer an.

Gelesen: Bericht - Augsburger Allgemeine, 2003